Gleichteilestrategie zur Beschleunigung der Produktentwicklung

Viele Bauteile werden mehrfach entwickelt, obwohl sie bereits im Unternehmen existieren. Eine Gleichteilestrategie hilft, Dubletten zu vermeiden und die Produktentwicklung deutlich zu beschleunigen.

Viele Industrieunternehmen stehen heute vor der Herausforderung, ihre Produktentwicklung schneller, effizienter und gleichzeitig kostengünstiger zu gestalten. Trotz moderner Systeme und zunehmender Digitalisierung entstehen in der Praxis jedoch immer wieder dieselben Probleme: Bauteile werden mehrfach entwickelt, Daten sind unübersichtlich und vorhandenes Wissen wird nicht konsequent genutzt.

Genau an diesem Punkt setzt eine Gleichteilestrategie an. Sie verfolgt das Ziel, bestehende Bauteile und Informationen systematisch zu identifizieren und wiederzuverwenden, anstatt sie erneut zu erzeugen. Dadurch wird nicht nur die Produktentwicklung beschleunigt, sondern auch die Qualität der Datenbasis nachhaltig verbessert.

Daten als Grundlage effizienter Produktentwicklung

Im Kontext von Digitalisierung und Industrie 4.0 spielen Daten eine zentrale Rolle. Sie bilden die Grundlage für Entscheidungen in Konstruktion, Einkauf, Kalkulation und Fertigung. In vielen Unternehmen ist diese Datenbasis jedoch historisch gewachsen und entsprechend schwer zu überblicken.

Unterschiedliche Systeme wie ERP, PDM oder PLM, individuelle Arbeitsweisen sowie fehlende Standards führen dazu, dass Datenbestände fragmentiert und inkonsistent sind. Die Folge ist, dass vorhandene Informationen nicht effektiv genutzt werden können. Stattdessen entstehen neue Daten – oft in Form von bereits existierenden oder sehr ähnlichen Bauteilen.

Eine funktionierende Gleichteilestrategie setzt genau hier an: Sie schafft Transparenz über den bestehenden Datenbestand und ermöglicht eine gezielte Nutzung vorhandener Informationen.

Warum Dubletten ein zentrales Problem darstellen

Eines der größten Hindernisse für eine effiziente Produktentwicklung sind Dubletten im Datenbestand. Identische oder ähnliche Bauteile werden mehrfach angelegt, ohne dass dies im Alltag sofort sichtbar wird. Diese Mehrfachanlagen haben weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Unternehmensbereiche.

In der Konstruktion führen Dubletten zu unnötiger Doppelarbeit, da bestehende Lösungen nicht gefunden oder erkannt werden. Im Einkauf entstehen zusätzliche Beschaffungsaufwände, da Bedarfe nicht gebündelt werden können. Auch in der Fertigung und im Service erhöhen sich Komplexität und Fehleranfälligkeit.

Typische Folgen sind:

  • doppelte Entwicklungs- und Konstruktionsaufwände 
  • redundante und schwer pflegbare Stammdaten 
  • erhöhte Variantenvielfalt 
  • steigende Material- und Lagerkosten 

Diese Effekte summieren sich oft über Jahre und bleiben lange unentdeckt, da die notwendige Transparenz über den Datenbestand fehlt.

Gleichteilestrategie als systematischer Ansatz

Eine Gleichteilestrategie ist kein einmaliges Projekt, sondern ein systematischer Ansatz zur nachhaltigen Nutzung vorhandener Daten. Im Mittelpunkt steht die Fähigkeit, ähnliche oder identische Bauteile zuverlässig zu erkennen und wiederzuverwenden.

Dabei geht es nicht nur um einzelne Komponenten, sondern um die gesamtheitliche Betrachtung des Datenbestands. Ziel ist es, Strukturen zu schaffen, die eine Wiederverwendung im Alltag ermöglichen und gleichzeitig die Entstehung neuer Dubletten verhindern.

Eine konsequente Umsetzung umfasst mehrere Schritte:

  • Transparenz über bestehende Bauteile und Daten schaffen 
  • Dubletten identifizieren und bewerten 
  • Datenbestand konsolidieren und strukturieren 
  • Wiederverwendung aktiv in Prozesse integrieren 

Erst durch dieses Zusammenspiel entfaltet die Gleichteilestrategie ihre volle Wirkung.

Moderne Technologien zur Identifikation von Gleichteilen

Die Identifikation von Gleichteilen war lange Zeit eine manuelle und sehr aufwendige Aufgabe. Gerade bei großen Datenbeständen mit tausenden oder hunderttausenden Zeichnungsteilen ist eine händische Prüfung kaum praktikabel.

Moderne Suchtechnologien ermöglichen es heute, Bauteile automatisiert zu analysieren und miteinander zu vergleichen. Dabei werden beispielsweise geometrische Eigenschaften von 3D-Daten genutzt, um Ähnlichkeiten zwischen Bauteilen zu erkennen – unabhängig von Bezeichnungen oder Klassifikationen.

Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass keine aufwendige Vorarbeit erforderlich ist. Bestehende Daten können direkt analysiert und visualisiert werden, wodurch Dubletten schnell sichtbar werden. Dies schafft die Grundlage für eine gezielte Konsolidierung des Datenbestands.

Auswirkungen auf Einkauf und Beschaffung

Neben der Produktentwicklung hat die Gleichteilestrategie auch erhebliche Auswirkungen auf den Einkauf. Durch die Reduzierung von Varianten und die Bündelung von Bedarfen können Unternehmen ihre Beschaffungsprozesse deutlich optimieren.

Wenn ähnliche Bauteile als Gleichteile erkannt und zusammengeführt werden, entsteht ein höheres Einkaufsvolumen für identische oder vergleichbare Komponenten. Dies ermöglicht bessere Preisverhandlungen und reduziert gleichzeitig die Anzahl unterschiedlicher Lieferanten.

Darüber hinaus erleichtert eine strukturierte Datenbasis die Zuordnung zu Warengruppen und unterstützt ein systematisches Warengruppenmanagement. Dadurch wird der Einkauf von einer reaktiven zu einer strategischen Funktion weiterentwickelt.

Bündeln Sie Bedarfe, erkennen Sie Gleichteile und schaffen Sie Transparenz im Einkauf

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Datenqualität als langfristiger Erfolgsfaktor

Eine nachhaltige Gleichteilestrategie setzt eine hohe Datenqualität voraus. Ohne konsistente und strukturierte Daten ist es kaum möglich, Gleichteile zuverlässig zu identifizieren und zu nutzen.

Daher ist die kontinuierliche Pflege und Überwachung des Datenbestands ein zentraler Bestandteil der Strategie. Unternehmen müssen sicherstellen, dass neue Daten strukturiert angelegt werden und bestehende Informationen regelmäßig überprüft werden.

Wichtige Aspekte sind dabei:

  • klare Benennungs- und Strukturierungsregeln 
  • konsistente Stammdaten 
  • transparente Datenbeziehungen 
  • kontinuierliche Qualitätskontrollen 

Nur so kann langfristig verhindert werden, dass erneut Dubletten entstehen.

Fazit: Gleichteilestrategie als Wettbewerbsvorteil

Eine Gleichteilestrategie bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Produktentwicklung nachhaltig zu beschleunigen und gleichzeitig Kosten zu reduzieren. Der Schlüssel liegt in der systematischen Wiederverwendung vorhandener Daten und der gezielten Vermeidung von Dubletten.

Unternehmen, die ihre Datenbasis verstehen und aktiv nutzen, schaffen nicht nur effizientere Prozesse, sondern auch eine bessere Grundlage für zukünftige Entscheidungen. In einem zunehmend wettbewerbsintensiven Umfeld wird die Fähigkeit, vorhandenes Wissen effektiv zu nutzen, zu einem entscheidenden Vorteil.